Johann Sebastian Bach wurde Leipziger Thomaskantor weil der Darmstädter Landgraf Ernst Ludwig seinen Hofkomponisten Christoph Graupner (1683-1760) nicht ziehen lassen wollte. Graupner blieb in der Provinz und Bach wurde weltberühmt. So kann’s gehen. Ob das jetzt am Kantoreiamt oder doch an Bach lag, wollen wir jetzt mal nicht diskutieren.
Graupner, ein Zeitgenosse Bachs und Georg Philipp Telemanns schrieb 1418 kirchliche Kantaten, 113 Sinfonien, 80 Suiten, 44 Konzerte, 36 Kammersonaten, 24 weltliche Kantaten und acht Opern (von Bach sind knapp über 1000 Werke bekannt, Telemann schuf 3600 Stücke).
Jedenfalls ist 2010 das 250. Todesjahr des Barockkomponisten und Darmstadt erinnert mit einem Festwochenende an den Hofkapellmeister. Vom 14. bis 16. Mai bietet die ehemalige hessische Residenzstadt ein umfangreiches Programm und würdigt so Graupners 50jährige Tätigkeit in den Diensten zweier Landgrafen.
Eröffnet wird das Wochenende am 14. Mai mit einem Cembalo-Recital der kanadischen Graupner-Spezialistin Geneviève Soly, die sich der Gegenüberstellung von Graupner und Händel widmen wird („Händel&Graupner vis à vis“).
Am 15. Mai präsentiert das flämische Ensemble Ex tempore unter der Leitung von Florian Heyerick Ausschnitte aus Graupners Hamburger Opern „Dido, Königin von Carthago“ und „Antiochus und Stratonica“. Es singen Elisabeth Scholl, Sopran, Reinoud Van Mechelen, Tenor und Stefan Geyer, Bariton. Wissenschaftlich-künstlerisch unterstützt wird dieses Konzert von der belgischen Regisseurin Sigrid T’Hooft, deren historische Inszenierung von Händels Radamisto 2009 bei den Karlsruher Händel-Festspielen für Furore gesorgt hat. Sigrid T’Hooft wird exemplarisch zeigen, wie man sich die Ausführung barocker Opern mit adäquater Gestik im Darmstadt der 1710er Jahre vorzustellen hat.
Das abschließende Konzert am 16. Mai beschäftigt sich mit dem Thema „Graupner und die Sinfonie“. Wenn hier Werke von Telemann, Fasch, Stamitz und Graun erklingen, so sind das alles Kompositionen, von denen man sicher weiß, dass Graupner die Noten für seine Hofkapelle selbst abgeschrieben hat – wohl, um sie dem Landgrafen zu Gehör zu bringen. Als Ensemble konnte La Stagione Frankfurt unter der Leitung von Michael Schneider gewonnen werden
Die Aufführungen korrespondieren mit öffentlichen Vorträgen der tagsüber im Darmstädter Karolinensaal (Staatsarchiv/Karolinenplatz) stattfindenden Symposien, bei denen sich Musikwissenschaftler aus Deutschland, Österreich, Frankreich, Belgien und Großbritannien über Graupners Wirken im Kontext seiner Zeit austauschen: Am 14. Mai, ab 14 Uhr über „Darmstadt und die hessische Residenz in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts“, am 15. Mai, ab 9.30 Uhr über „Graupner und die mittel- und norddeutsche Oper 1700-1720“ sowie am 16. Mai, ab 9.30 Uhr über „Graupner und die Sinfonie in Mitteldeutschland 1740-1760“.
Der Eintritt zu den Vorträgen im Karolinensaal ist frei, Konzerte kosten Eintritt Weiterlesen »